Bergsteigen : Der Gipfel des Verbrechens: Die Everest-Mafia und ihre dreckigen Geschäfte

Der Gipfel des Verbrechens: Die Everest-Mafia und ihre dreckigen Geschäfte

EUR 18,00


...ein laaaaaanges Buch... - Ohne zu Überlegen, habe ich bereits beim Lesen des Titels gewußt, dieses Buch muß ich haben. Die ersten Kapitel habe ich fast verschlungen, bis es allmählich ein wenig langatmig wurde. Kodas beschreibt sehr genau die Machenschaften gewisser Expeditionen auf dem Everest, die man nur selten vor Augen geführt bekommt. Charaktereigenschaften, die man Bergsteigern zuschreibt, wie Kameradschaft, Loyalität und Hilfsbereitschaft haben auf diesem Teil der Erde anscheinend keinen Platz mehr. Hinsichtlich des Themas hat das Buch meine Erwartungen erfüllt, jedoch wurde es mit jede Kapitel mühsamer. Kodas beschreibt im Buch sehr viele Menschen, dem zu folgen war mit der Zeit sehr schwer. Manchmal wäre weniger mehr. Auch die Sprünge zwischen den Geschichten der beiden Expeditionen gehören nicht zu dem Schreibstil, den ich als Leser bevorzuge. Kodas Absicht war es sicher, andere zum Denken anzuregen, in wessen Hände sie ihr Leben legen. Dies ist ihm sicher gelungen.

Erst spannend, dann nervig - Das Buch ist wie eine Serienfolge aus der man, mal wieder, zwanghaft, versucht hat, einen Spielfilm mit Überlänge zu produzieren. Hätte er sich nur an einem Thema aufgehangen und das ganze neutraler aufgebaut, so dass, man einfach selbst seine Schlussfolgerungen ziehen kann, wäre mir das wesentlich besser reingelaufen. So hatte ich nach wenigen Kapiteln keine Lust mehr auf das Getratsche, die Life-Soap und das hin-und-her-Gespringe zwischen zu vielen Schauplätzen und Personen.

Reißerisch und ärgerlich im Stil - Das Buch Der Gipfel des Verbrechens ist das schlechteste Buch über Bergsteigen, das ich je gelesen habe. Der Autor müllt einen zu mit einer Fülle von scheinbar wichtigen Informationen, von denen die meisten überflüssig sind und ärgerlich machen. Teilweise ist die Aussage so verworren, dass man manche Sätze mehrmals lesen muss um einen Sinn zu erkennen. Reißerisch aufgemacht spricht der Titel von Everest-Mafia, Abzocke und Mord. Der Schreiber hat ein schräges Verhältnis zu den schlimmen Begriffen und benutzt sie im Buch mehr in der Möglichkeitsform als dass er den belegbaren unzweideutigen Nachweis führt. Überhaupt vermischt er teilweise zusammenhangslos Aussagen (die wie aus einem Gerichtsprotokoll erscheinen) von Menschen wodurch das ganze Buch eine undurchsichtige, verworrene Atmosphäre hat. Seine liebsten Worte sind entgegengesetzte Bindewörter: doch, jedoch, dennoch und aber. Mit anderen Worten tut sich der Autor schwer Verbindungen zwischen den scheinbar wichtigen geschilderten Situationen zu schaffen. Dass der Autor Outdoor-Experte ist oder jemals auf dem Gipfel des Everest stand bezweifle ich aufgrund des ihn betreffenden beschriebenen Verhaltens (meist berichtet er was andere gesagt oder getan haben). Wer gerne Mistery-Serien nach amerikanischem Muster hat, der kann vielleicht noch Freude an dem Buch haben. Ich kann es nicht empfehlen.

Gute Story, aber sprunghaft geschrieben - Die Story an sich ist sehr interessant und lesenswert. Den Kern des Buches bilden zwei verschiedene Geschichten über zwei unterschiedliche Expeditionen, die sich zur gleiche Zeit am Everest befinden und letztendlich an übertriebenen Egos und Betrug scheitern und einer Person auch dabei das Leben kosten (was m.E. jedoch nichts mit einer ominösen Everest-Mafia zu tun hat).Dennoch finde ich, dass die Storys zu sprunghaft erzählt wurden. Nicht nur dass der Autor ständig zwischen beiden Geschichten hin- und herspringt, es werden auch die Zeitabläufe durcheinandergebracht. Dies und die vielen kleinen Zwischengeschichten nehmen dem Leser das Interesse und die Spannung an einem eigentlich sehr spannenden Thema. Wer ein spannendes Buch über den Everest (und auch über die Vorgehensweisen der Expeditionen und deren Teilnehmer) lesen will, dem sei In Eisige Höhen von Jon Krakauer wärmstens empfohlen.

Viel Licht und viel Schatten - Wie man (auch) an der schieren Zahl der Rezensionen sehen kann: das Buch lässt einen nicht kalt. Das liegt sicher am Thema - aber auch am, vor allem zu Anfang, recht flüssigen Stil des Autors. Und so seltsam das auch klingen mag: sowohl die positiv als auch negativ Urteilenden meiner Vorrezensenten haben recht. Um nicht zu wiederholen möchte ich lediglich noch einige Stichpunkte anführen:- Leider krankt das Buch daran, dass der ziemlich reißerische Titel nicht das zusammenfasst, worum es in dem Buch hauptsächlich geht. Wer Analyse und Systematik erwartet, wird enttäuscht werden. Stattdessen einige Personen und deren Geschichten - allerdings fehlt der Nachweis dafür, wie repräsentativ diese für die gesamte Szene am Everest sind. Das ist meines Erachtens ein gravierender Mangel - denn in Kodas Buch tauchen immer wieder dieselben (Handvoll) Namen auf. - Auch ich finde das Buch vor allem im zweiten Teil schon arg an der Grenze zu Selbstmitleid und persönlicher Abrechnung. Der Autor berichtet hauptsächlich von zwei Expeditionen, die er beide als gescheitert ansieht. Durch die zunehmend konfusere Parallelerzählung der Ereignisse mit diversen Zeitsprüngen setzt er aber Dinge einander gleich, die das nicht hergeben: einerseits die Expedition des Autors, bei der sich die Leute aus diversen Gründen übelst zerstreiten, schlimm genug, andererseits aber eine Expedition mit Todesfolge. Deren genauen Ablauf will er rekonstruieren, schafft das aber zunehmend nicht ohne in permanente Wiederholungen abzudriften und sich auf den einzuschießen, den er für den Hauptverantwortlichen hält: den menschlich und technisch überforderten Bergführer Lisi. Leider Gottes ist Kodas beileibe nicht frei von Schwarz-Weiß-Denken und disqualifiziert zunehmend den Journalisten in ihm: der Kunde, ok - über Tote soll man nichts Schlechtes sagen - wird von jeder Selbstverantwortung freigesprochen, der Bergführer ist der Böse. Diesem Muster folgt der Autor immer wieder: hier die edlen Helden, dort die egomanischen Schurken. Das ist aber für ein Buch mit diesem Anspruch zu einfach.- Ab und an fallen Unstimmigkeiten auf: angeblich soll die offizielle Expeditionsleiterin Lhakpa Sherpa nie an buddhistischen Zeremonien vor dem Aufbruch teilgenommen haben, auf einem beigegebenen Foto aber ist sie ganz vorne dran zu sehen - was ist also richtig?- Last but not least ein übler Mangel: der Verlag hat ganz offenbar den Lektor eingespart. Was einem hier für 18 EUR (!) zugemutet wird, ist schlichtweg eine Unverschämtheit. Relativpronomen stimmen nicht, Sätze beginnen, dann folgen Einschübe, dann hat man offenbar vergessen, wie der Satz angefangen hat und beendet ihn ganz anders oder auch mal überhaupt nicht. Sowas ist schlichtweg unzumutbar.Fazit: Im Vergleich zu Krakauers Buch ließt sich Kodas Werk, anfänglich zumindest, zwar ähnlich flott, bringt aber nichts wirklich Neues und löst den Anspruch des deutschen Titels nicht wirklich ein.




Der Gipfel des Verbrechens: Die Everest-Mafia und ihre dreckigen Geschäfte